Nachtrag: UEC Europameisterschaft 2015

Ein Bericht von Frank Drygalla
 
Die Vorfreude zur Europameisterschaft war groß, denn dieses Mal ging ins es nach Bella Italia in die Dolomiten – Region Alpago. Schon bei der Ankunft in den näher gelegenen Orten, wurde kräftig die Werbetrommel gerührt und es folgten die ersten Ausschilderungen zum Ort des Geschehens. Jedoch mit dem allmählichen Verlassen der Alpen stiegen die Temperaturen langsam auf 38°C und wir wussten es wird ein heißer Wettkampf. Die Besichtigungen der Sektionen und Örtlichkeiten mussten daher auf den nächsten Tag verschoben werde.
 
Die ersten Sektionen zeigten sich am folgenden Tag in einem anschaulichen Gewand aus Natursteinen und Baumstämmen. Wobei die Natursteine mit schönen Trial-Gravuren versehen waren. Doch es boten sich auch Sektionen mit einem Mix aus Paletten, Beton und Baumstämmen. Diese machten den Anschein, dass für den Aufbau wenig Material und Zeit zu Verfügung stand. Dennoch waren die Sektionen in einem überdurchschnittlichen Schwierigkeitsgrad abgesteckt und in den Wettkampfläufen war zu erkennen, dass die Fahrer zu „knabbern“ hatten. Es gab einige Hindernisse, die nicht ohne einen Sicherheitsfuß, selbst bei den Favoriten, überwunden werden konnten. Was zeigte, dass beim Sektionsbau kein Fahrer mitwirkte um Machbares abzuschätzen. Sicher ist aber auch, dass das Niveau des Möglichen grade bei sehr guten Fahrern schwer abzuschätzen ist.
 
Die Austragung erfolgte von Donnerstag bis Samstag. Dabei starteten die Junioren in der 20“ und 26“-Klasse am ersten Tag das Halbfinale und man konnte sehen, dass die Hitze den Fahrern und Betreuern zu schaffen machte und jeder schattige Platz für eine kurze Pause genutzt wurde. Die Fahrer Dominik Oswald (20“- GER) und Nicolas Vallee (26“- FRA) zeigten dort bereits, dass sie die klaren Favoriten waren.
 

Am Freitag gingen dann die Elitefahrer zum Halbfinale an den Start, welcher bereits um 10 Uhr für die 26 Zoll Teilnehmer nach einem nächtlichen Regenschauer erfolgte. Dies erfreute Fahrer und Begleiter. Die Klasse war im Gegenzug zur Juniorenklasse deutlich gefüllter. Jedoch vermisste man einige Top-Fahrer wie Gilles Coustelliers (FRA), Kenny Belay (BEL) oder auch Aurel Fontenoy (FRA). Aber das war für das deutsche Team von Vorteil, um sich einen guten Rang zu erkämpfen. Bester 26“ Starter war am Ende Hannes Herrmann mit Platz 6, damit Qualifizierte er sich zum Finale. Nach etwas längerer Pause in den internationalen Wettkämpfen, war dies für Hannes wieder ein sehr guter Einstieg in die Top-Ränge. Auch Nils-Obed Riecker konnte sich über einen 8. Platz vor Jonathan Sandritter freuen, welcher mit Platz 10 in die Top 10 fuhr. Im Wettkampf zeigte sich, dass einige Hindernisse ziemlich kompliziert abgesteckt wurden. Dies nicht im Sinne von schwer sondern einfach nicht möglich.
Am Nachmittag starteten dann die 20 Zoll Fahrer wieder in gewohnter Hitze. Auch hier zeigten sich ähnliche Situationen in den Sektionen wie bei den 26 Zoll Starter. Einige Stellen in den Sektionen waren aber jetzt etwas „abgefahrener“, womit auch Hindernisse wieder möglich waren. Zudem war durch die Radgröße auch etwas mehr Platz in den eng abgesteckten Sektionen. Weiterhin hatten die Fahrer auch den Vorteil, dass Sie die 26 Zoll Teilnehmer vorher fahren sehen konnten. Damit wurde einiges besser abschätzbar. Das Halbfinal lief für Raphael Pils sehr gut und er war einer der Favoriten für das Finale. Am Ende konnte er sich sogar über Platz 1 freuen, da Abel Mustieles (SPA) und auch andere Fahrer Gesamtfahrzeit-Strafpunkte erhielten. Durch die neue Reglung von Handycaps, bekommen die Fahrer Strafpunkte anhand ihrer Platzierung im Halbfinale. Z.b. für Platz 1 – kein Handycap, für Platz 2 – 1 Strafpunkt usw.. Dies soll dazu dienen, dass die Fahrer bereits im Halbfinale „Gas“ geben. Für Raphael war also die Platzierung (Platz 1) im Halbfinale von Vorteil.

Um 15 Uhr war es dann für die weiblichen Fahrer soweit um direkt ins Finale zu starten. Die Betreuer der Mannschaft waren trotz des langen und heißen Tages immer noch mit voller Unterstützung dabei – auch dafür Respekt! Auch unter den weiblichen Startern gab es Favoriten und das deutsche Team konnte sich am Ende über 3 gute Platzierungen freuen. Dabei fuhr Nina Reichenbach wieder einmal einen guten Lauf und wurde am Ende Vize-Europameisterin. Auch Andrea Wesp und Romina Fix lieferten eine gute Leistung ab und fuhren auf Platz 4 und 7. Da Nina fast die jüngste Starterin war, gibt es noch genügend Chancen den Europameistertitel einzufahren.

Am Samstag gingen die Junioren bereits um 9:00 Uhr an den Start. Es wurde wieder sichtbar, dass einige Fahrer bereit für die Elitespur waren. Dennoch war das Level für die Juniorenspur doch sehr hoch und gefährlich abgesteckt. Grade im Bereich Sprungtiefe, sollte es keine Sprünge aus knapp 3 Meter Höhe geben. Dies konnte dann auch Dominik Oswald in seiner letzten Runde spüren, da es zu dieser Zeit einen Regenschauer gab und die Sektionen und auch Griffe des Fahrrads rutschiger wurden. Bei der Landung aus dem 3 Meter Sprung verlor Dominik den Lenker beim Aufprall aus der Hand und kassierte ein 5. Er ärgerte sich zwar, konnte aber von Glück reden, dass er sich nicht weiter verletzt hat. Da dies die letzte Sektion für ihn war und er wusste, dass der Sieg ihm gehörte, war die Freude größer. Super Leistung Dominik und Glückwunsch zum Europameistertitel (zum 3. Mal – Jawoll!)

Das Niveau in den Elitespuren wurde dann nochmal verschärft und wieder gab es einige Hindernisse die kein Topfahrer, auch durch mehrmaliges anfahren, schaffen konnte. Das Finale der 26 Zoll Fahrer wurde zudem noch durch falsche Entscheidungen der Schiedsrichter und durch das Abrutschen eines nicht richtig befestigten Hindernisses gestört. Dies führte auch teilweise zu Unstimmigkeiten unter den Fahrern. Dennoch blieb das Finale besonders spannend. Der junge Engländer Jack Carthy konnte sich wieder einmal durchsetzen und zeigte wirklich überragende Leistung. Die Freude über seinen Sieg zeigte er auch in der letzten Sektion am letzten Hindernis. Bevor er dieses meisterte, brachte er seinem Vater einen Luftkuss entgegen, daraufhin schleuderte dieser vor Freude über den Sieg sein Basecap in die Höhe. Solche Momente machen einen Wettkampf wirklich sehenswert und emotional.

Im Finale der 20 Zoller ging es dann wieder etwas ruhiger zu Sache, da auch das abgerutschte Hindernis befestigt und die Sektion wieder in den Lauf mit aufgenommen wurde. Einige enge Passagen wurden jedoch von den 20 Zoll Starter sehr gut gemeistert und es waren dadurch nochmal gut die Unterschiede zu erkennen. Am Ende siegte Benito Ros (SPA), welcher mit schon 34 Jahren (ältester Starter) eine saubere Leistung ablieferte.

Schlussendlich kann man wieder sagen, dass es ein spannender Wettkampf war und sich eine Reise mit anschließendem Urlaub gelohnt hat. Ich hoffe, dass es auch bald wieder mehr Starterzahlen (Klasse Junioren) gibt um diesen besonderen Sport am Leben zu halten. Ich hoffe auch, dass solche Wettkämpfe mehr in die etwas größeren Städte verlegt werden um genügend Publikum zu haben und den Trialsport bekannter zu machen.

Dem deutschen Team weiterhin alles Gute für die World Cup Saison und die Weltmeisterschaft in Andorra.